Beiträge zum Stichwort ‘ Theater ’

Kolumne: So ein Theater

2. April 2010 | Von | Kategorie: Kultur

Es gibt keine Krise, von der man nicht profitieren könnte. Griechenland soll doch seine Inseln verkaufen – das haben der Vorsitzende der CDU-Mittelstandsvereinigung Josef Schlarmann und der FDP-Finanzpolitiker Frank Schäffler unisono gefordert. Die Bildzeitung sekundiert in gewohnt großen Lettern: „Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen – und die Akropolis gleich mit!“ Etwas kleiner ist zu lesen: „Ihr kriegt Kohle. Wir kriegen Korfu.“ Die WAZ geht auf ihrem Internetportal noch einen Schritt weiter und veröffentlicht eine Diashow: „Elf Inseln, die wir den Griechen jederzeit abkaufen würden.“ Auch hier dabei: Korfu, Kreta, Ithaka – ist ja auch gerade mal 65 Jahre her, dass Deutsche dort das Sagen hatten, und nebenbei 130.000 GriechInnen ermordeten oder verschleppten.



„Keine Kohle für solche Kunst“

15. Juni 2005 | Von | Kategorie: Kultur

Bochumer Theaterwissenschaft fordert Umverteilung. Erschienen in bsz 664.

Das Land NRW soll die Ruhrfestspiele in Zukunft nicht mehr finanziell unterstützen. Mit dieser Forderung hat das Institut für Theaterwissenschaft der Ruhr-Uni die kulturpolitische Landschaft zwischen Rhein und Ruhr aufgemischt.



Knietief im Westen: Das 3. studentisches Theaterfest

1. Dezember 2004 | Von | Kategorie: Kultur

Das Ruhrgebiet ist ein seltsamer Ort: Es ist aufgeladen mit dem Pathos angeblich goldener Tage, als der Bergbau die Identität einer ganzen Region stiftete. Gleichzeitig sind die BewohnerInnen heute konfrontiert mit aussterbenden Innenstädten, 1-Euro-Läden, Arbeitslosigkeit – kurz: dem, was die PolitikerIn-nen euphemistisch Strukturwandel nennen.



Wiedergeburt eines Handlungsreisenden

7. Oktober 2001 | Von | Kategorie: Kultur

Wie Jürgen Kruse einem alten Stück seine Bedeutung zurückgibt und dabei auch auf den zweiten Blick zu begeistern weiß. Von Rolf van Raden.

Jürgen Kruse is back in town. Schon unter Intendant Leander Haußmann wollte der Regisseur, der sich mit seinen eigenwillig-eindringlichen Inszenierungen schnell eine Bochumer Fangemeinde aufgebaut hatte, Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ inszenieren. Doch dann erkrankte Hauptdarsteller Jürgen Rohe, und das Projekt fiel ins Wasser.



Blasse Götter im Schnee

17. September 2001 | Von | Kategorie: Kultur

Das Bochumer Prinz-Regent-Theater auf der Suche nach dem Licht – Sybille Broll-Pape inszeniert Jan Demuths „Namasté“. Von Rolf van Raden.

Wir befinden uns im 21. Jahrhundert. Die Zeiten der Gottesfürchtigkeit sind endgültig vorbei. Im Glauben, dass fast alles möglich ist, taumelt der erfolgreiche Mitteleuropäer durch sein Leben, und so lange alles gut geht, hat er fast das Gefühl, selbst ein Gott zu sein. So lange alles gut geht.



No budget for arts – viel Party, wenig Kultur

12. Juli 2001 | Von | Kategorie: Kultur

Kommerzielle Künstlergruppe [no-budget-arts] hat in Bochum eine Chance verspielt. Von ROLF VAN RADEN, erschienen in taz nrw 12.07.01

Erst auf den zweiten Blick entpuppt sich das hässliche Ballermann-Plakat als Ankündigung einer Kulturveranstaltung. „Bundespresseball“ nennt die Bochumer Künstergruppe „[no-budget-arts]“ ihren zweiten öffentlichen Auftritt. Bis Samstag dienen die leerstehenden Räume eines Technikkaufhauses in Bochum als Bühne, Ausstellungsfläche und Partykeller.



Theater in Zeiten der der New Economy

22. Juni 2001 | Von | Kategorie: Kultur

Noch ein Botho Strauß auf der Bühne des Bochumer Schauspielhauses – Matthias Hartmann serviert vier Stunden Literaturtheater des Übervaters. Von Rolf van Raden.

Man nehme: Einen größenwahnsinnigen Autor, eine Drehbühne, den zweitwichtigsten Darsteller einer Sat.1-Krimiserie und 30 weitere Schauspielerinnen und Schauspieler in mehr als 100 Rollen. Ob dies die Zutaten für großes Theater sind, sei dahingestellt. Mit diesen Ingredienzen serviert jedenfalls Matthias Hartmann dem Bochumer Publikum wieder einmal einen Anlass, um ekstatisch zu klatschen. „Der Narr und seine Frau heute abend in Pancomedia“ heisst das neue Stück von Botho Strauß. Gegen die vierstündige Inszenierung fällt dieser ausladende Titel allerdings durch seine angenehme Kürze auf.



Reclaim the theater

12. Januar 2001 | Von | Kategorie: Kultur

Über Möglichkeiten gesellschaftsrelevanter Bühnenkunst

„Den Theatermachern in Deutschland ist der Auftrag verloren gegangen. Nach über zweihundert Jahren an der Speerspitze der Aufklärung trauert das Theater seiner in der Folge von 1968 noch einmal neu behaupteten Bedeutung als kritisches Stadt- und Staatstheater nach, denn es findet sich in einer von der letzten Eckkneipe bis zum Bundeskanzleramt völlig entpolitisierten Gesellschaft wieder. Der Kontext klarer ideologischer Fronten, das Denken in Alternativen, ist einer großen Orientierungslosigkeit gewichen. Wir leben in einem diffusen Unbehagen ohne Bewußtsein. Wir müssen von vorne anfangen.“