Beiträge zum Stichwort ‘ Medienkritik ’

Kolumne: So ein Theater

2. April 2010 | Von | Kategorie: Kultur

Es gibt keine Krise, von der man nicht profitieren könnte. Griechenland soll doch seine Inseln verkaufen – das haben der Vorsitzende der CDU-Mittelstandsvereinigung Josef Schlarmann und der FDP-Finanzpolitiker Frank Schäffler unisono gefordert. Die Bildzeitung sekundiert in gewohnt großen Lettern: „Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen – und die Akropolis gleich mit!“ Etwas kleiner ist zu lesen: „Ihr kriegt Kohle. Wir kriegen Korfu.“ Die WAZ geht auf ihrem Internetportal noch einen Schritt weiter und veröffentlicht eine Diashow: „Elf Inseln, die wir den Griechen jederzeit abkaufen würden.“ Auch hier dabei: Korfu, Kreta, Ithaka – ist ja auch gerade mal 65 Jahre her, dass Deutsche dort das Sagen hatten, und nebenbei 130.000 GriechInnen ermordeten oder verschleppten.



Interview: 1 Jahr NS-Zeitungen an deutschen Kiosken

23. Dezember 2009 | Von | Kategorie: Politik & Gesellschaft

Erschienen im DISS-Journal Nr. 18 (2009). Das Heft als pdf-Datei.

Darf man das? Seit der britische Verleger Peter McGee unter dem Titel “Zeitungszeugen” in Deutschland Reprints von Zeitungen aus der Zeit des Nationalsozialismus verkauft, ist eine neue Debatte über den Umgang mit NS-Quellen entbrannt. Nach einem knappen Jahr voller Auseinandersetzungen, mehreren Gerichtsprozessen, und über 40 veröffentlichten Ausgaben ist es Zeit für ein erstes Fazit. Der Dortmunder Medienwissenschaftler Prof. Dr. Horst Pöttker ist wissenschaftlicher Berater des Zeitungszeugen-Projekts. Im DISS-Journal spricht er über publizistische Verantwortung, über das Verhältnis von Wissenschaftlichkeit und Kommerz und über die Frage, ob man NS-Geschichte „erlebbar“ machen sollte. Das Interview führte Rolf van Raden.



Amok-Diskurse: Deutungshoheit über das Unerklärbare

22. Dezember 2009 | Von | Kategorie: Politik & Gesellschaft

Erschienen im DISS-Journal Nr. 18 (2009). Das Heft als pdf-Datei.

„Familien gegen Killerspiele“ – unter diesem Motto wollte das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden im Oktober 2009 Computerspiele einsammeln und anschließend vernichten. Das Angebot wurde zwar kaum angenommen, sicherte jedoch bundesweite Aufmerksamkeit für das Anliegen der Elterninitiative: Die gesellschaftliche Ächtung von so genannten Killerspielen. Das Verbot von Spielen, die das Töten von Menschen realitätsnah simulieren, ist ebenfalls eine von 83 Empfehlungen des vom Land Baden-Württemberg eingesetzten Expertenkreises Amok – und wahrscheinlich die in der Öffentlichkeit am meisten diskutierte. Welche politisch-sozialen Konsequenzen nach einer Gewalttat gefordert werden, das ist die eine Sache. Die andere ist, wer sich aus welcher Position heraus zum Thema äußert. Geht es um eine Bewertung der längerfristigen gesellschaftlichen Folgen von Amok-Debatten, sollte beides im Blickfeld stehen.



Kolumne: Bingbingbing… blamiert!

12. Juni 2009 | Von | Kategorie: Politik & Gesellschaft

80 bis 100 Millionen US-Dollar will der Software-Riese Microsoft in Werbemaßnahmen investieren, um seine neue Suchmaschine Bing für Interntet-NutzerInnen attraktiv erscheinen zu lassen. Ob das reicht? Der groß angelegte Angriff des Betriebssystem-Marktbeherrschers auf die Datenkrake Google hätte der Auftakt für einen Aufsehen erregenden Kampf zwischen zwei Unsympathen werden können. Doch wer sich auf eine spektakuläre Schlacht mindestens auf dem Niveau des B-Movie-Klassikers „Frankensteins Monster jagen Godzillas Sohn“ (Japan, 1967) gefreut hat, wird bitter enttäuscht.



“Völkischer Beobachter” wieder am Kiosk erhältlich

28. Januar 2009 | Von | Kategorie: Politik & Gesellschaft

Zeitgeistzeugen. Erschienen in bsz Nr. 773.

ZuschauerInnen des Privatfernsehens haben die „Zeitungszeugen“ durch den donnernden Werbespot mit der tiefen Männerstimme kennengelernt. Jetzt kommt Publizität für das Projekt ganz kostenlos: Die bayrische Landesregierung lässt die Ausgaben, denen ein Nachdruck des „Völkischen Beobachters“ beiliegt, beschlagnahmen. An dem Zeitungsprojekt beteiligt sind auch der emeritierte Bochumer Historiker Hans Mommsen und der Dortmunder Journalistik-Professor Horst Pöttker. Trotz der Aufregung um die Konfiszierung der Ausgaben fehlt bisher eine Debatte über die fragwürdige historische Perspektive der „Zeitungszeugen“-HerausgeberInnen.



Samstags keine Sonntagsreden

9. März 2005 | Von | Kategorie: Hochschule

Bochum diskutiert über Studiengebühren. Erschienen in bsz 654, 09.03.05

Die einen nennen es eine „Radio-Legende“, der WDR selbst bezeichnet die Sendung als „Forum für demokratische Kultur“. Schon lange, bevor sich private Infotainment-Formate in den Medien breit machten, hatte sich „Hallo Ü-Wagen“ einen Ruf als unterhaltsame Diskussionssendung erworben, die sich sowohl den großen politischen als auch den kleinen persönlichen Fragen des Alltags widmet – und in der unzensiert und live BürgerInnen quasi von der Straße ihre Meinung sagen können.



„Judenproblem“ oder „Nachwortproblem“?

12. November 2004 | Von | Kategorie: Kultur, Politik & Gesellschaft

Notizen zum Nachwort in Gustav Freytags „Soll und Haben“, Manuscriptum Verlag, Waltrop und Leipzig 2002.

Es ist der Fluch und Segen zugleich von Nachworten in Leseausgaben der sogenannten ernsten Literatur, dass in ihnen Literaturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler versuchen, auf wenigen Seiten in einfachen Worten das zusammenzufassen, was ihrer Meinung nach zum Verständnis und zur Würdigung des Werkes auch dem unbedarften Publikum vermittelt werden sollte. Dass Zusammenhänge dabei häufig verkürzt werden und Interpretationen zuweilen kritisch hinterfragt werden müssen, liegt in der Natur jener publizistischen Form. Bei dem Nachwort zu der derzeit einzigen im Buchandel greifbaren Ausgabe von Gustav Freytags Roman „Soll und Haben“ treten jedoch andere Merkmale hinzu, die zwar in der Rezeptionsgeschichte des Romans keineswegs ungewöhnlich sind, bei einer Neuherausgabe im Jahr 2002 jedoch überraschen und unangenehm auffallen.



Die neuen Scheren im Kopf

8. Januar 2001 | Von | Kategorie: Politik & Gesellschaft

Schöne neue Medienwelt: Kaum einer von uns, der weniger als 20 Fernsehprogramme empfängt. Die Zeitschriftenläden sind gefüllt mit hunderten von verschiedenen Publikationen. Und dann noch das Internet. Meinungsfreiheit und -vielfalt pur. Und zu allem Überfluss versichert uns das Grundgesetz in Artikel 5: “Eine Zensur findet nicht statt.”