Beiträge zum Stichwort ‘ Literatur ’

„Judenproblem“ oder „Nachwortproblem“?

12. November 2004 | Von | Kategorie: Kultur, Politik & Gesellschaft

Notizen zum Nachwort in Gustav Freytags „Soll und Haben“, Manuscriptum Verlag, Waltrop und Leipzig 2002.

Es ist der Fluch und Segen zugleich von Nachworten in Leseausgaben der sogenannten ernsten Literatur, dass in ihnen Literaturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler versuchen, auf wenigen Seiten in einfachen Worten das zusammenzufassen, was ihrer Meinung nach zum Verständnis und zur Würdigung des Werkes auch dem unbedarften Publikum vermittelt werden sollte. Dass Zusammenhänge dabei häufig verkürzt werden und Interpretationen zuweilen kritisch hinterfragt werden müssen, liegt in der Natur jener publizistischen Form. Bei dem Nachwort zu der derzeit einzigen im Buchandel greifbaren Ausgabe von Gustav Freytags Roman „Soll und Haben“ treten jedoch andere Merkmale hinzu, die zwar in der Rezeptionsgeschichte des Romans keineswegs ungewöhnlich sind, bei einer Neuherausgabe im Jahr 2002 jedoch überraschen und unangenehm auffallen.



Close reading, exemplarisch.

20. März 2003 | Von | Kategorie: Hochschule, Kultur

Hasenclevers Der Sohn (1913). Von Rolf van Raden.

Im angloamerikanischen Raum hat sich close reading als „deskriptiv-analytische Interpretation, die auf historische Kategorien verzichtet“(1), einen festen Platz in den Literaturwissenschaften erobert. In Frankreich ist die explication de texte als „technisch-rationale Methode“(2) zur bestmöglichen Erschließung der „Dichtung als letztendlich irrationales Ensemble“(3) seit 1920 für Schulen und Universitäten verbindlich(4). Im deutschsprachigen Raum konnten Ansätze der Textanalyse, die außerliterarische Aspekte zunächst radikal unberücksichtigt lassen, bis heute nicht ähnlich viel Beachtung finden. So fällt die bemerkenswert geringe Anzahl an deutschsprachigen Veröffentlichungen zum Thema auf. Dabei ist close reading durchaus einer Betrachtung wert: Die Methode verspricht einen unideologischen, nicht vereinnahmenden, genauen Zugriff auf literarische Texte. Wahrscheinlich vor allem wegen seines prozessualen Charakters wird close reading im deutschsprachigen Raum zwar durchaus angewendet(5), ohne dass jedoch viel darüber geschrieben wird.



Ludwig Staudenmaier: Die Magie als experimentelle Naturwissenschaft

3. Februar 2003 | Von | Kategorie: Kultur

1. Magie: Paranoia oder Wissenschaft

Bevor Ludwig Staudenmaier, Professor für Experimentalchemie, 1918 selbst per wissenschaftlicher Diagnose als paranoid stigmatisiert wurde, versuchte er 1912 die Magie vom Odium des Okkultismus und Spiritismus, also von dem Vorwurf der Paranoia oder der Scharlatanerie zu befreien, indem er in seiner Schrift: „Die Magie als experimentelle Naturwissenschaft“(1) den gleichen Schritt nachzuahmen suchte, den Lavoisier geleistet hatte, als er aus der Alchemie die Chemie machte. Magie, Geistersehen, Tischerücken: Allesamt Phänomene, die vermittels experimenteller Erforschung rationalisiert und in den wissenschaftlichen Kanon gerückt werden sollen.