Kultur

„Öffentlichkeit entsteht, wenn der Konsens zusammenbricht“ – Silke Wagner über politische Kunst und Repression

17. Juni 2011 | Von | Kategorie: Kultur

Als Künstlerin arbeitet Silke Wagner zu sozialen, politischen und ökologischen Themen. Oft in Kooperation mit gesellschaftlichen Initiativen vor Ort initiiert sie Aktionen jenseits der traditionellen künstlerischen Medien und Aktionsfelder. Dabei geriet sie wiederholt in Konflikt mit den Behörden und der Justiz. Für das DISS-Journal sprach Rolf van Raden mit der engagierten Künstlerin.

Das Interview erschien im DISS-Journal 21/2011. Das gesamte Heft gibt es hier als pdf-Datei zum Download.



Kolumne: So ein Theater

2. April 2010 | Von | Kategorie: Kultur

Es gibt keine Krise, von der man nicht profitieren könnte. Griechenland soll doch seine Inseln verkaufen – das haben der Vorsitzende der CDU-Mittelstandsvereinigung Josef Schlarmann und der FDP-Finanzpolitiker Frank Schäffler unisono gefordert. Die Bildzeitung sekundiert in gewohnt großen Lettern: „Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen – und die Akropolis gleich mit!“ Etwas kleiner ist zu lesen: „Ihr kriegt Kohle. Wir kriegen Korfu.“ Die WAZ geht auf ihrem Internetportal noch einen Schritt weiter und veröffentlicht eine Diashow: „Elf Inseln, die wir den Griechen jederzeit abkaufen würden.“ Auch hier dabei: Korfu, Kreta, Ithaka – ist ja auch gerade mal 65 Jahre her, dass Deutsche dort das Sagen hatten, und nebenbei 130.000 GriechInnen ermordeten oder verschleppten.



„Keine Kohle für solche Kunst“

15. Juni 2005 | Von | Kategorie: Kultur

Bochumer Theaterwissenschaft fordert Umverteilung. Erschienen in bsz 664.

Das Land NRW soll die Ruhrfestspiele in Zukunft nicht mehr finanziell unterstützen. Mit dieser Forderung hat das Institut für Theaterwissenschaft der Ruhr-Uni die kulturpolitische Landschaft zwischen Rhein und Ruhr aufgemischt.



Knietief im Westen: Das 3. studentisches Theaterfest

1. Dezember 2004 | Von | Kategorie: Kultur

Das Ruhrgebiet ist ein seltsamer Ort: Es ist aufgeladen mit dem Pathos angeblich goldener Tage, als der Bergbau die Identität einer ganzen Region stiftete. Gleichzeitig sind die BewohnerInnen heute konfrontiert mit aussterbenden Innenstädten, 1-Euro-Läden, Arbeitslosigkeit – kurz: dem, was die PolitikerIn-nen euphemistisch Strukturwandel nennen.



„Judenproblem“ oder „Nachwortproblem“?

12. November 2004 | Von | Kategorie: Kultur, Politik & Gesellschaft

Notizen zum Nachwort in Gustav Freytags „Soll und Haben“, Manuscriptum Verlag, Waltrop und Leipzig 2002.

Es ist der Fluch und Segen zugleich von Nachworten in Leseausgaben der sogenannten ernsten Literatur, dass in ihnen Literaturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler versuchen, auf wenigen Seiten in einfachen Worten das zusammenzufassen, was ihrer Meinung nach zum Verständnis und zur Würdigung des Werkes auch dem unbedarften Publikum vermittelt werden sollte. Dass Zusammenhänge dabei häufig verkürzt werden und Interpretationen zuweilen kritisch hinterfragt werden müssen, liegt in der Natur jener publizistischen Form. Bei dem Nachwort zu der derzeit einzigen im Buchandel greifbaren Ausgabe von Gustav Freytags Roman „Soll und Haben“ treten jedoch andere Merkmale hinzu, die zwar in der Rezeptionsgeschichte des Romans keineswegs ungewöhnlich sind, bei einer Neuherausgabe im Jahr 2002 jedoch überraschen und unangenehm auffallen.



Close reading, exemplarisch.

20. März 2003 | Von | Kategorie: Hochschule, Kultur

Hasenclevers Der Sohn (1913). Von Rolf van Raden.

Im angloamerikanischen Raum hat sich close reading als „deskriptiv-analytische Interpretation, die auf historische Kategorien verzichtet“(1), einen festen Platz in den Literaturwissenschaften erobert. In Frankreich ist die explication de texte als „technisch-rationale Methode“(2) zur bestmöglichen Erschließung der „Dichtung als letztendlich irrationales Ensemble“(3) seit 1920 für Schulen und Universitäten verbindlich(4). Im deutschsprachigen Raum konnten Ansätze der Textanalyse, die außerliterarische Aspekte zunächst radikal unberücksichtigt lassen, bis heute nicht ähnlich viel Beachtung finden. So fällt die bemerkenswert geringe Anzahl an deutschsprachigen Veröffentlichungen zum Thema auf. Dabei ist close reading durchaus einer Betrachtung wert: Die Methode verspricht einen unideologischen, nicht vereinnahmenden, genauen Zugriff auf literarische Texte. Wahrscheinlich vor allem wegen seines prozessualen Charakters wird close reading im deutschsprachigen Raum zwar durchaus angewendet(5), ohne dass jedoch viel darüber geschrieben wird.



Ludwig Staudenmaier: Die Magie als experimentelle Naturwissenschaft

3. Februar 2003 | Von | Kategorie: Kultur

1. Magie: Paranoia oder Wissenschaft

Bevor Ludwig Staudenmaier, Professor für Experimentalchemie, 1918 selbst per wissenschaftlicher Diagnose als paranoid stigmatisiert wurde, versuchte er 1912 die Magie vom Odium des Okkultismus und Spiritismus, also von dem Vorwurf der Paranoia oder der Scharlatanerie zu befreien, indem er in seiner Schrift: „Die Magie als experimentelle Naturwissenschaft“(1) den gleichen Schritt nachzuahmen suchte, den Lavoisier geleistet hatte, als er aus der Alchemie die Chemie machte. Magie, Geistersehen, Tischerücken: Allesamt Phänomene, die vermittels experimenteller Erforschung rationalisiert und in den wissenschaftlichen Kanon gerückt werden sollen.



Wiedergeburt eines Handlungsreisenden

7. Oktober 2001 | Von | Kategorie: Kultur

Wie Jürgen Kruse einem alten Stück seine Bedeutung zurückgibt und dabei auch auf den zweiten Blick zu begeistern weiß. Von Rolf van Raden.

Jürgen Kruse is back in town. Schon unter Intendant Leander Haußmann wollte der Regisseur, der sich mit seinen eigenwillig-eindringlichen Inszenierungen schnell eine Bochumer Fangemeinde aufgebaut hatte, Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ inszenieren. Doch dann erkrankte Hauptdarsteller Jürgen Rohe, und das Projekt fiel ins Wasser.



Blasse Götter im Schnee

17. September 2001 | Von | Kategorie: Kultur

Das Bochumer Prinz-Regent-Theater auf der Suche nach dem Licht – Sybille Broll-Pape inszeniert Jan Demuths „Namasté“. Von Rolf van Raden.

Wir befinden uns im 21. Jahrhundert. Die Zeiten der Gottesfürchtigkeit sind endgültig vorbei. Im Glauben, dass fast alles möglich ist, taumelt der erfolgreiche Mitteleuropäer durch sein Leben, und so lange alles gut geht, hat er fast das Gefühl, selbst ein Gott zu sein. So lange alles gut geht.



No budget for arts – viel Party, wenig Kultur

12. Juli 2001 | Von | Kategorie: Kultur

Kommerzielle Künstlergruppe [no-budget-arts] hat in Bochum eine Chance verspielt. Von ROLF VAN RADEN, erschienen in taz nrw 12.07.01

Erst auf den zweiten Blick entpuppt sich das hässliche Ballermann-Plakat als Ankündigung einer Kulturveranstaltung. „Bundespresseball“ nennt die Bochumer Künstergruppe „[no-budget-arts]“ ihren zweiten öffentlichen Auftritt. Bis Samstag dienen die leerstehenden Räume eines Technikkaufhauses in Bochum als Bühne, Ausstellungsfläche und Partykeller.