RUB keine Elite-Uni

24. Januar 2006 | Von admin | Kategorie: Hochschule

Deutschland sucht die Super-Hochschule. Erschienen in betonzeit, 24.01.06

Während im Privatfernsehen wieder im K.O.-Verfahren angebliche Superstars generiert werden, findet in der deutschen Hochschullandschaft eine andere Eliminations-Show statt. Die rot-grüne Bundesregierung hatte medienwirksam zusätzliche millionenschwere Fördergelder für eine Handvoll angeblicher »Elite-Unis« ausgelobt. Aus den über 300 Bewerbungen in drei Förderklassen hat eine Jury am vergangenen Freitag die KandidatInnen nominiert, die zum »Recall« wieder kommen dürfen. Fest steht: Die Ruhr-Uni kann höchstens noch einen Krümel abbekommen.

Anstatt mit dem Geld für mehr Bildungsgerechtigkeit zu sorgen, ist es erklärtes Ziel des Programms, die »Differenzierung der deutschen Hochschullandschaft nach Qualitätsgesichtspunkten voranzubringen « – mit anderen Worten: einige Unis besser, andere dafür aufgrund immer knapperer Mittel schlechter werden zu lassen.

PLATTENVERTRAG. Im großen Wettbewerb geht es um 10 Millionen Euro pro Jahr und Uni. Weiter Hoffnung auf den warmen Regen machen dürfen sich neben vier Hochschulen aus Baden-Württemberg (Heidelberg, Freiburg, Karlsruhe, Tübingen) und den beiden Münchener Unis auch die RWTH Aachen, die FU Berlin sowie die Unis Bremen und Würzburg. Das Bochumer Konzept »Research Campus RUB« ist dagegen schon in der ersten Runde rausgewählt worden. Um Fördergelder von jeweils 6,5 Millionen Euro jährlich geht‘s im zweiten Verfahren. Auch hier war die RUB nicht erfolgreich.

DRITTKLASSIG. Die Ruhr-Uni hat höchstens noch die Chance auf eine Million Euro jährlich. In der Förderline für Graduiertenschulen ist der Antrag mit dem hitverdächtigen Titel »Ruhr-University Research School« in die nächste Runde gekommen. Für alle drei Förderformen gilt: Die Studierenden an den Unis werden von dem Geld so gut wie nichts haben, denn in die Lehre fließt kein Cent. Sollte sich die Bochumer »Research School« im neodarwinistischen K.O.-System durchsetzen, wird das Geld genutzt, um ausgewählten Promovierenden »fachübergreifende Methoden und Kompetenzen « zu vermitteln. Außerdem soll die außerfachliche Betreuung ausländischer DoktorandInnen verbessert weden.

MOTTO-SHOWS. In welche Richtung die Reise geht, wird deutlich, wenn man die Verteilung der Kandidatinnen auf die Fachbereiche ansieht. Bei den mit 6,5 Millionen Euro dotierten sogenannten »Exzellenzclustern « kommt nur jede zehnte akzeptierte Bewerbung aus den Geisteswissenschaften – auch wenn die Jury betont, dass an anderen Projekten GeisteswissenschaftlerInnen interdisziplinär beteiligt seien.In die nächste Runde geht‘s am 20. April. Bis dann müssen die Hochschulen ihre Unterlagen eingereicht haben. Die endgültige Entscheidung darüber, auf welche Unis die Milliarde Euro verteilt wird, fällt im Oktober.

rvr

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