Close reading, exemplarisch.
20. März 2003 | Von admin | Kategorie: Hochschule, KulturHasenclevers Der Sohn (1913). Von Rolf van Raden.
Im angloamerikanischen Raum hat sich close reading als „deskriptiv-analytische Interpretation, die auf historische Kategorien verzichtet“(1), einen festen Platz in den Literaturwissenschaften erobert. In Frankreich ist die explication de texte als „technisch-rationale Methode“(2) zur bestmöglichen Erschließung der „Dichtung als letztendlich irrationales Ensemble“(3) seit 1920 für Schulen und Universitäten verbindlich(4). Im deutschsprachigen Raum konnten Ansätze der Textanalyse, die außerliterarische Aspekte zunächst radikal unberücksichtigt lassen, bis heute nicht ähnlich viel Beachtung finden. So fällt die bemerkenswert geringe Anzahl an deutschsprachigen Veröffentlichungen zum Thema auf. Dabei ist close reading durchaus einer Betrachtung wert: Die Methode verspricht einen unideologischen, nicht vereinnahmenden, genauen Zugriff auf literarische Texte. Wahrscheinlich vor allem wegen seines prozessualen Charakters wird close reading im deutschsprachigen Raum zwar durchaus angewendet(5), ohne dass jedoch viel darüber geschrieben wird.
Im Folgenden soll in einem ersten Schritt erläutert werden, welche zentralen Annahmen dem close reading zugrunde liegen, auf welche Defizite der klassischen Literaturinterpretation es reagiert und wie demnach die Methode erfolgversprechend anzuwenden ist. In einem zweiten Schritt wird dann exemplarisch ein deutschsprachiges Drama, nämlich Walter Hasenclevers „Der Sohn“ von 1913 nach dem vorher beschriebenen Verfahren untersucht.
In einem dritten Schritt sollen die Ergebnisse mit drei einschlägigen Kommentaren der deutschsprachigen Sekundärliteratur verglichen werden, so dass eine kritische Bewertung des vorgeführten close reading besser möglich wird.
Fußnoten:
(1) Arnold, Heinz Ludwig u. Sinemus, Volker (Hgg.): Grundzüge der Literatur- und Sprachwissenschaft, Band 1: Literaturwissenschaft. München 1973, S. 368.
(2) ebd., S. 373.
(3) ebd.
(4) vgl. ebd., S. 371.
(5) Beispiele für Anwendungen von close reading an Hochschulen im deutschsprachigen Raum: Kafka im Hypertext. Projekt der Pädagogischen Hochschule Freiburg, Tod Browning: Monstrosität, Transdifferenz, close reading. Seminar an der Bauhaus-Universität Weimar, SS 2002, Textanalyse: Literarische Kanontexte. Proseminar an der Universität Salzburg, SS 2001
Die gesamte Arbeit gibt es hier als pdf-Datei zum Download. Inhalt der pdf-Datei:
1. Einleitung
2. Methodisches: Was ist close reading?
3. Exemplarisch: Walter Hasenclevers „Der Sohn“
I. Akt, 1. Szene
I. Akt, 2. Szene
I. Akt, 3.-5. Sze
I. Akt, 6.-7. Szene
II. Akt, 1. Szene
II. Akt, 2. Szene
II. Akt, 3.-6. Szene
III. Akt, 1.-3. Szene
III. Akt, 4.-5. Szene
IV. Akt, 1. Szene
IV. Akt, 2. Szene
IV. Akt, 3.-4. Szene
V. Akt, 1. Sz
V. Akt, 2. Szene
V. Akt, 3. Szene
4. Ergebnisse des close reading
5. Vergleich mit den Interpretationen einschlägiger Sekundärliteratur
6. Fazit
7. Literatur
