No budget for arts – viel Party, wenig Kultur

12. Juli 2001 | Von admin | Kategorie: Kultur

Kommerzielle Künstlergruppe [no-budget-arts] hat in Bochum eine Chance verspielt. Von ROLF VAN RADEN, erschienen in taz nrw 12.07.01

Erst auf den zweiten Blick entpuppt sich das hässliche Ballermann-Plakat als Ankündigung einer Kulturveranstaltung. „Bundespresseball“ nennt die Bochumer Künstergruppe „[no-budget-arts]“ ihren zweiten öffentlichen Auftritt. Bis Samstag dienen die leerstehenden Räume eines Technikkaufhauses in Bochum als Bühne, Ausstellungsfläche und Partykeller.

„Unser Anspruch ist, dass Kunst sich selber finanziert“, sagt Geschäftsführer Ben Redlings. Man wolle nicht am Tropf der öffentlichen Institutionen hängen. Es gab 5.000 Mark Unterstützung von der Stadt. Den Rest von 35.000 Mark will die Gruppe selber erwirtschaften. Ausgegeben wurde das Geld unter anderem für 40.000 Hochglanz-Flyer, 6.000 Plakate und einen professionellen Sicherheitsdienst. Bei der Vernissageparty am vergangenen Donnerstag kam auf fünf Gäste ein schwarz gekleideter Security-Mann.

Dafür verloren sich die spärlich gesäten Exponate der bildenden Künstler auf der 4.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Ähnlich erging es den Besuchern beim „Theatermarathon“ am Sonntag. Da die Zeiten der einzelnen Aufführungen nirgendwo bekannt gemacht wurden, sahen nur etwa 60 Zuschauer die Vorstellung des Gastschauspielers Marcel Schäfer. Peter Turrinis „Die Eröffnung“ in der Regie von Sebastian Kirsch war nicht nur brilliant gespielt, sondern hätte auch ein Politikum werden können. Die „Gegenaufführung“ zu Matthias Hartmanns Regiedebüt am Bochumer Schauspielhaus sparte nicht mit Seitenhieben auf den restaurativen Stil des neuen Intendanten („gib uns unser Herz zurück“) und war ebenso lustig wie vernichtend. Redelings’ Stück „Leerungen“, die einzige Eigenproduktion von [no-budget-arts], hielt da nicht mit. Regisseurin Moana Köhring und ihre Schauspieler bemühten sich redlich, konnten über die belanglose Vorlage aber nicht hinwegtäuschen.

Als Erfolg werden die Veranstalter ihren Bundespresseball dennoch verbuchen. Denn die Partys sind gut besucht. Bis morgens wurde durchgetanzt – und durchgesoffen. Gut fürs Budget.

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